Jugend ohne Gott

Schauspiel nach dem Roman von Ödön von Horváth

Horváths zeitloser Roman von 1937 über die Situation einer perspektivlosen und von Gewalt beherrschten Jugend, scheint somit akutell wie nie und wurde nicht grundlos zu einem seiner größten Erfolge.


Die spannende (Kriminal-) Geschichte eines Lehrers, der an der sinnlosen Brutalität seiner Schüler und der rohen Gesellschaft verzweifelt und dabei selbst Schuld auf sich lädt, durchläuft eine dramatische Spirale der Gewalt und Gottlosigkeit. Als schließlich ein Schüler einen anderen aus reiner Mordlust erschlägt, eskaliert die Situation und zieht einen Prozess nach sich, in dem vor allem der Lehrer einen Weg zurück zur Ehrlichkeit finden muss. Nach langem Ringen mit sich, der Welt und Gott bleibt am Ende nur die Flucht vor der Gesellschaft – ins Exil.



Horváth selbst sagte über seinen Roman, welcher im Auftrag der Gestapo in die "Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums" aufgenommen wurde, es sei ein Buch über die Ideal der Menschheit udn zugleich die verzweifelte Suche der Menschen nach den Werten für ein glückliches Leben.

 

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Regie: PiaMaria Gehle
Ausstattung: Anja Kreher 
Fassung: Felizitas Kleine 

 

Mit: Makke Schneider, Emanuel Fleischhacker,
Julia Kelz, Maxim Mumber, Markus Wilharm

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Fotos ©MEYER ORIGINALS

Fotos zu "Jugend ohne Gott", ©MEYER ORIGINALS

 Pressestimmen 

 

Schon 1937 ein Bestseller, hat „Jugend ohne Gott“ von Ödon von Horvath nichts von seiner Aktualität verloren. Das Theater der Keller wagte sich an die Dramatisierung des Stoffs. Regisseurin Pia Maria Gehle gelang mit der Mischung aus Krimi, Sozialdrama und Psychostudie ein großer Wurf. Eine stringente Inszenierung, die auf billige aktuelle Anspielungen und Knalleffekte verzichtet. Mit einfachen, nüchternen Mitteln und perfekt aufeinander eingespielten Schauspielern mit stetigem Rollenwechsel erzielt sie höchste Intensität. Für Theaterfreunde die (vorerst) letzte Gelegenheit, den gerade erst als besten Kölner Nachwuchsschauspieler ausgezeichneten Robert Oschatz in diesem Stück zu erleben. Er dreht anschließend einen Film. 

www.koeln.de (Jürgen Schön), 30.12.2010


Ödön von Hováths Geschichte eines Lehrers, den die Verrohung und Gewissenlosigkeit seiner Schüler völlig aus der Bahn wirft, spielt zwar während der Nazidiktatur. Doch die Aktualität ist so offensichtlich, dass PiaMaria Gehle in ihrer Einstandsinszenierung als Intendantin keine Verweise auf Amokläufe und jugendliche Gewalttäter benötigt. Makke Schneider ist als Lehrer gleichzeitig Erzähler, der moralische Orientierung und bald auch den Sinn für die Realität verliert. Vier weitere Schauspieler wechseln mit weiß geschminkten Gesichtern fliegend die Rollen, wobei vor allem die junge Julia Kelz durch enorme Präsenz und Präzision auffällt. Ein erotisch selbstbewusstes Waldmädchen verkörpert sie ebenso überzeugend wie den „Fisch“ einen perversen Schüler mit eiskaltem Blick und zeitlupenartigen Bewegungen, gefährlich, ruhig, unmenschlich.

Die deutsche Bühne (Stefan Keim), Dezember 2010

PiaMaria Gehle, neue Intendantin des Theaters der Keller, gibt sich in ihrem Grußwort zur Spielzeit kämpferisch und inszeniert mit Horváths Text eine expressive, expressionistische Saisoneröffnung. [...] Durchdacht. Überzeugend. Unterhaltsam.

choices (Christiane Enkeler), November 2010


Das Handwerk beherrscht sie [PiaMaria Gehle] zweifellos souverän: den Roman aus dem Jahr 1937 entkernt sie von allen NS-Bezügen und macht daraus geschickt, mit großem Sinn für dramaturgischen Aufbau und Timing, eine zeitlose Parabel auf Angepasstheit, Gruppendruck, Mobbing in der Schule. Makke Schneider gibt dem Lehrer genau die spröde Unentschiedenheit, die oft direkt ins Unglück führt - nicht nur in das der Nazizeit. Eine gute Inszenierung, die genauso einen würdigen Platz in einem Stadttheater hätte.

akt.16 (Dorothea Markus), Oktober 2010

 

In ihrer Einstandsinszenierung als Intendantin des Keller-Theaters verschärft PiaMaria Gehle die Anonymisierung zuletzt dadurch, dass sie die Schüler mit lang schwingenden Armen als Quasi-Affen erscheinen lässt. Diese Bildidee gehört zu den vielen frappanten, schlaglichartig erhellenden Eingebungen der Regie, welche das realistische Geschehen durchaus im Auge behalten, es aber nicht versimpelnd nachbuchstabieren. [...] Jede Bühnenadaption wird sich klugerweise an dieser dramaturgischen Vorgabe orientieren, und Felizitas Kleines Kellereigene Fassung tut dies auf sehr stimmige Weise. [...] Dominiert wird er [der Theaterabend] von dem sprachlich, gestisch und mimisch superben Makke Schneider (Leher), während Julia Kelz, Emaunel Fleischhacker, Maxim Mumber und Robert Oschatz (z.T. Schüler der Keller-Schule) einen ständigen virtuosen Figurentausch absolvieren, der mitunter bis in die Skelettierung von Sätzen hineinreicht. Das lockert ebenso auf wie die ironischen Momente der Inszenierung, mit denen das Drama vor allzu viel Trauergesicht entlastet wird. [...] Man erlebt eine fantasiereiche, farbenschillernde, intellektuell sicher formende Regiearbeit. [...] Dieser Paukenschlag sollte auch außerhalb der Kellermauern aufhorchen lassen und zu neuen Überlegungen Anlass geben, wie die Zukunft des Hauses in der Kleingedankstraße gesichert werden kann.

Rheinkultur (Christoph Zimmermann), Oktober/November 2010

 

Bei ihrem Sündenfall, der, von Schneider fantastisch artikulierten, heimlichen Lektüre eines Schülertagebuches, blitzt [...] Horvaths bitter-lustige Ironie auf. [...] Er [der Abend] gewinnt stark an Spannung, auch durch Julia Kelz, Robert Oschatz und Maxim Mumber, alle Eleven der Theaterschule, die mit präziser Körpersprache und trockenem Humor in multiplen, klar voneinander abgesetzten Rollen beeindrucken. Herauszuheben ist hier Emanuel Fleischhacker, mit großer Ausstrahlung vor allem als Direktor und als Mordopfer N. [...] Am Ende ist es ein furioser, zum Nachdenken anregender Abend geworden, der durch den spürbaren Enthusiasmus aller Beteilgiten auf und hinter der Bühne zum intensiven Erlebnis wird. Aus so einem Beginn kann Schönes entstehen!

theater pur (Andreas Falentin), Oktober 2010

 

In einer klugen Inszenierung platzierte Gehle ihre jungen Protagonisten auf eine nackte Bühne, die keine Ablenkungen auf das Wesentliche duldete: Den gottlosen Menschen. [...] Die Dynamik der stetig wechselnden Szenen und Figuren hetzte Schauspieler und Publikum während der zweistündigen Aufführung unaufhörlich dem Ende entgegen. [...] Einen der Darsteller hervorzugeben wäre falsch. Vielmehr gebührt dem Kollekiv Hochachtung für eine meisterhafte Leistung. Vor alllem die Mimik der Protagonisten zog den Betrachter in den Bann. Sowohl im Gesagten als auch im Nichtgesagten offenbarte sich der Himmel im Abgrund wie ein trügerisches Spiegelbild auf den Wassern eines unergründlichen Sees. Chapeau!

Kölner Wochenspiegel (Thomas Dahl), 29.9.2010

 

Vielleicht wollte PiaMaria Gehle bei ihrer Antrittsinszenierung als Intendantin am schließungsbedrohten Kellertheater auf Nummer sicher gehen. Das Ergebnis kann sich jedenfalls sehen lassen! [...] Sehr gutes Handwerk, keine bemühte Aktualisierung, starkes Ensemble.

Stadtrevue (Alexander Haas), Oktober 2010

 

"Die KellerRevolution beginnt!" Unter diesem bewusst kämpferischen Motto startet das Theater Der Keller in die neue Spielzeit - und in eine ungewisse Zukunft. [...] Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Roman von Ödön von Horváth, der auf Kölner Bühnen zurzeit eine wahre Renaissance erlebt. Kaum verwunderlich, denn obwohl er von 1901 bis 1938 lebte, sind die Themen, über die er schrieb, zeitlos. Vieles ist sogar heute populärer denn je, wie etwa Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise und gesellschaftliche Verrohung.

Kölner Illustrierte (Daniela Abels), Oktober 2010

 

Die herausragenden Schauspieler, allen voran Makke Schneider als Lehrer, schaffen es, die bedrückende Situation für den Einzelnen, der sich gegen die Masse stellt spürbar zu machen. [...] Rücksichtslose Wahrhaftigkeit rettet den Lehrer in der Bühnenfassung von Felizitas Kleine aus dem Dilemma. Rücksichtlose Wahrhaftigkeit kann auch die in Schieflage geratene Gesellschaft aus ihrer Ohnmacht angesichts schwindenden Verständnisses für überzogene Managergehälter und Politikverdossenheit retten. Doch es bedarf einer Revolution, um neue Wege zu gehen. PiaMaria Gehle geht diesen Weg voran. Sie bringt frischen Wind in das Theater der Keller. Hier entsteht junges Theater, in dem bedingungslose Begeisterung pulsiert. [...] PiaMaria Gehle hat bewiesen, dass sie das Ruder längst herumgerissen hat und es fest in den Händen hält. So einfach wird sie es sich nicht wieder abnehmen lassen.

www.meinesuedstadt.de (Stephan Meyer), 14.9.2010


Was von Horváth einst als Kritik am Faschismus schrieb, als Anklag gegen Opprotunismus und Mitläufertum, funktioniert auch mehr als 70 Jahre später: Als Analyse einer Gesellschaft, in der die Jugend ihrer Zukunstsaussichten beraubt ist und ihren Frust in Gewalt entlädt. Dass dieser Transfer so gut gelingt, ist einer subtilen Regieführung zu verdanken. Die historischen Bezüge sind sanft entfernt, ohne dem Stoff Gewalt anzutun. Überzeugend ist auch die Umsetzung des Romans in eine einfache, aber sinnliche Bildsprache. [...] Mit einem starken Ensemble, klugen Ideen und einem klaren, prägnanten Stil gelingt so ein bravouröser Einstand für PiaMaria Gehle.

Kölner Stadtanzeiger (Jessica Düster), 11.9.2010


PiaMaria Gehle, neue Intendantin des Theaters der Keller, ist da. Ehrgeizig, kämpferisch und tatkräftig will sie das traditionsreiche Theater vor der Schließung retten. [...] Bei so viel Engagement und Elan wünscht man der Intendantin nur das Beste. [...] Jubel für den Einstand der regieführenden Intendantin.

Kölnische Rundschau (Sandra Nuy), 11.9.2010