Schauspiel von Dea Loher
Am 5. April 2011 läuft die letzte Vorstellung!
Zufällig trifft Heinrich Blaubart, Eis essend, ein Eis essendes Mädchen im Park. Zufällig kommen sie ins Gespräch und zufällig wirft sie ihm ihr engmaschiges Gefühlsnetz über den Kopf als sie sagt, sie liebe ihn über die Maßen. Und ebenfalls zufällig tötet sich die Schöne vor den Augen Blaubarts aus Liebe zu ihm. Dieser Begegnung folgen noch weitere Momente des Zufalls, die Blaubart scheinbar einfach passieren und ihn mit der erstickenden Macht der Liebe konfrontieren.
In diesem Reigen an divergierenden Liebeskonzeptionen wird Blaubart scheinbar aus Versehen zum Mörder, als er sich gegen Projektionen seines liebessüchtigen Gegenübers zur Wehr setzen will. Erst die letzte Begegnung mit einer Blinden beendet diesen Lauf und offenbart einen allgemeinen, exstatischen Kampf des Einzelnen gegen die Einsamkeit.
Dea Loher, geboren 1964, studierte Germanistik und Philosophie in München und anschließend Szenisches Schreiben bei Heiner Müller. Heute lebt und arbeitet sie in Berlin. Ihre Theaterstücke wurden mit zahlreichen Preisen gewürdigt, darunter dem Dramatikerpreis der Hamburger Volksbühne und dem Mülheimer Dramatikerpreis. Im Februar 2009 erhielt sie den Berliner Literaturpreis.
Abschlussstück der SCHULE DES THEATERS
Premiere am 12. November im TiefKeller
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Regie: Eva-Maria Baumeister
Bühne: Sandra Kruse
Kostüme: Svenja Gassen
Mit: Franziska Bonn, Clara Cüppers, Sarah Härtling, Julia Kelz, Siri Nase, Daniel Kuschewski, Annette Simons, Florentina-Ileana Tautu
Aufführungsrechte: Verlag der Autoren
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Fotos ©MEYER ORIGINALS
Pressestimmen
Eva-Maria Baumeister hat mit leichter Hand im guten Sinne routiniert Regie geführt. [...] Offensichtlich hat da ein guter Jahrgang die dreijährige Schauspielausbildung hiter sich gebracht. Einige der Absolventen werden sicher ihren Weg machen, vielleicht die bezwingende und wandlungsfähige Julia Kelz, die Blaubarts erste Frauenbegegnung locker-schön dominiert oder Barbara Büchmann als tiefdunkel artikulierende Mehrfachwitwe mit rabenschwarzer Ironie und Selbstmordgelüsten. Auch Robert Oschatz, der Anfang Dezember mit dem Kölner Nachwuchsdarstellerpreis PUCK 2010 ausgezeichnet wurde, kann für sich einnehmen. Er legt seinen Blaubart als trägen, pseudo-durchgeistigten Till Eulenspiegel an, ohne dadurch Sympathiewerte einzubüßen.
theater pur (Andreas Falentin), Februar 2011
Heinrich Blaubart wartet in einer der aufsteigenden Kino-Sitzreihen, die die Bühne bilden. Da erscheint Julia wie ein Zeichentrickhase aus dem Gebüsch in den hinteren Stuhlreihen und pirscht sich an das Männchen heran. [...] Julia Kelz in der Rolle der "Julia" kann hier mit leicht stilisierter Spielweise ähnlich viel Spannung, Konzentration und Präsenz zeigen wie schon in "Jugend ohne Gott". Florentine-Ileana Tautu dagegen nutzt ihre Rolle als "Die Blinde", um souverän und ruhig und wie ein Gegenstück zu den wechselnden Frauchen alle Szenen miteinander zu verbinden. [...] Je zielgerichteter die jeweilige Frau auf den Mann losgeht (und je einfallsreicher der sich wiederum wehren muss), desto geschickter gelingt auch ihre Darstellung: Clara Cüppers zum Beispiel spielt ihre brave, aber abenteuerlustige Christiane sehr geschmeidig. [...] Ein Abschlussstück der Schule des Theaters, in dem die Pointen sitzen und zeitweise in urkomische Szenen münden - ohne zu boulevardesken Schenkelklopfern zu mutieren.
choices (Christiane Enkeler), Januar 2011
Oschatz gibt den Anti-Blaubart äußerst authentisch und anrührend. Das Gleiche gilt für seine Mitspielerinnen, von denen jede ein überzeugendes Solo abliefert. [...] Bei Redaktionsschluss stand nämlich die endgültige Entscheidung über den Fortbestand des Theaters noch aus. Doch wie immer es auch ausgeht, die Namen der Absolventen sollte man sich merken. Man wird sie in Zukunft nämlich garantiert noch öfter hören. Bester Beweis: Mit Oschatz und Kelz wurden gleich zwei von ihnen für den diesjährigen Puck, den Nachwuchspreis der Kölner Theaterszene, nominiert.
Kölner Illustrierte (Daniela Abels), Januar 2011
Das Stück lebt vom herrlich abwechslungsreichen Spiel der Frauen, die Regisseurin Eva-Maria Baumeister nach ihrem Tod als stumme Zuschauerinnen von den oberen Rängen die anderen Morde beobachten lässt. Einsam und ohne Liebe bleibt letzt auch Blaubart zurück. Mögen die Absolventen mehr davon haben - zwei von ihnen (Oschatz und Kelz) sind immerhin für den Kölner Nachwuchspreis PUCK nominiert.
aKT 18 (Henriette Westphal), Dezember 2010
Der Mann als Projektionsfläche weiblichen Begehrens - einer der linkisch, schüchtern und kleinlich nicht mehr an Entschlossenheit zu bieten hat als eben ein Durchschnittstyp zur Verfügung hat. So einer muss scheitern. Gleich mit der ersten Begegnung, in der Robert Oschatz auf eine fulminante Julia Kelz trifft, die nur so über ihn hinweg fegt, ist das Tempo für die Inszenierung angeschlagen. [...] Die jungen Darstellerinnen überzeugen mit beherztem Spiel. Eva-Maria Baumeister liefert eine knackige Inszenierung, deren Trümpfe in ihrem Tempo liegen. Das Stück ist eine gute Wahl. Dea Loher zeigt die Inbrunst romantischer Liebessehnsucht und den Mann als einen, der immer hinter den Erwartungen zurückbleibt. [...] Gleichwohl ist das hier ein Projekt, das von der Autorin über die Regie und die Schauspielerinnen hinweg mit Verve einen weiblichen Standpunkt formuliert, der genau zum richtigen Zeitpunkt auftaucht.
Kölnische Rundschau (Thomas Linden), 16.11.2010
In Dea Lohers Schauspiel "Blaubart - Hoffnung der Frauen", dem Abschlussstück der Schule des Theaters der Keller, bietet der blasse Schuhverkäufer Blaubart die ideale Projektionsfläche für die Wünsche und Sehnsüchte der Frauen, denen er begegnet. Er soll die Ehefrau aus ihrem öden Alltag befreien und die Prostituierte retten, eine andere ist nur "auf der Suche nach einer warmen Person". Sechs Frauen sind am Ende tot. Julia, Anna, Judith und die anderen auch wegen der vielen Frauenrollen ist das Stück ideal für Schauspielschulen - sehen in ihm, was sie in sich selbst verkennen. [...] Robert Oschatz spielt den Blaubart unter der Regie von Eva-Maria Baumeister als einen, der Frauen und Seelen verschleißt und doch selbst verzweifelt angesichts der Frage, was es bedeutet, jemanden zu lieben.
Kölner Stadtanzeiger (Claudia Hauser), 16.11.2010