Der Geizige

Ein Familiengemälde nach Molière von PeterLicht | Premiere am 9. September 2011 im TiefKeller.


Der Generationenkonflikt ist keine Erfindung der Mediengesellschaft, sondern ein alter Hut. Schon Molière wusste, worum es dabei eigentlich geht: Um Geld. Sein „Geiziger“ Harpagon ist in der unangenehmen Situation, von jungen Menschen umgeben zu sein, die alle auf seinen Tod warten, um an ihr Erbe, seinen Reichtum, heranzukommen. Doch das Misstrauen in seine Kinder und Bediensteten gibt Harpagon die Energie, die er zum Weiterleben braucht. Er verliebt sich in die Verlobte seines Sohnes und entwickelt immer neue Strategien, um das Gesammelte zu bewahren und gleichzeitig zu vermehren.

Den Jungen gelingt es nicht, sich von dem Gedanken, dass ihnen etwas zusteht, zu lösen. Sie haben sich eingerichtet in einem Warteleben im Vorzimmer der Biografie ihres Vaters. Aber der Druck erhöht sich: Was passiert mit den Erben, wenn die Alten immer älter werden? Harpagon bittet zu Tisch und bei Tisch wird gesprochen – von Geld und Generationen.

 

Im Auftrag des Maxim Gorki Theaters hat PeterLicht 2010 ein dramatisches Familiengemälde, eingerahmt in die Ästhetik der Popliteratur, geschrieben, das Motive von Molières berühmter Komödie aufnimmt und sie auf ein Land bezieht, in dem es zu viel von allem gibt, nur schlecht verteilt. Die Alten haben das Geld und die Jungen wollen es haben. Die Generationenfrage heißt: Wer ist dran?

 

Der Künstler PeterLicht bewegt sich mit seiner Arbeit zwischen den Polen Text, Musik, Pop, Kunst, soziale Skulptur, Kapitalismus und Schnäppchenmarkt „wobei am Ende was rauskommen soll, was vielleicht schön ist.“. Nach seinen Musikalben „14 Lieder“ (2001), „Stratosphärenlieder“ (2003) und „Lieder vom Ende des Kapitalismus“ (2006), „Melancholie und Gesellschaft“ (2008) erscheint im Herbst 2011 sein neuestes Album "Das Ende der Beschwerde". Seit 2009 erprobt er sich zusehends auf deutschen Theaterbühnen wie den Münchner Kammerspielen oder dem Leipziger Schauspielhaus. Seinen Bekanntheitsgrad verdankt er bis heute seinem Debüterfolgssommerhit „Sonnendeck“ aus dem Jahre 2001.

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Regie: PiaMaria Gehle

Ausstattung: Anja Kreher

 

Mit: Richard Hucke und den Eleven des Abschlussjahrgangs der SCHULE DES THEATERS:

Mateusz Dopieralski, Amely Draeger, Sarah Härtling, Bastian Sesjak, Götz Vogel von Vogelstein

 

Aufführungsrechte: SchaefersPhilippen

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Fotos ©MEYER ORIGINALS

Fotos zu "Der Geizige", ©MEYER ORIGINALS

 Pressestimmen 

Ich sah Mateusz Dopieralski kürzlich in "Der Geizige" am Theater der Keller. Und war, wie die anderen Jurymitglieder, davon begeistert, wie präzise sein Spiel geworden war, wie fesselnd. Ein Orientierungspunkt. Er spielt Cleante, Harpagons Sohn. Dopieralski schenkt der Figur eine eigene Körperlichkeit, hinter die er selbst zurücktritt. Und bei dem schwierigen Unterfangen, Jugendsprache für die Bühne zu dramatisieren, gelingt ihm eine Mischung, die es in diesem Zusammenhang eigentlich gar nicht geben kann - eine Mischung aus Authentizität und Poesie.


(Auszug aus der Laudatio von Jurymitglied Anke Holgersson)

 

Licht geht es um die Herausarbeitung von Lebensgefühlen: denen der Jugend, die Money für die Befriedigung von leiblichen Bedürfnissen einfordert, und denen des asketischen "Papa" Harpagon, welcher den Kapitalismuswahn nicht mitmacht. Das überaus theorielastige Stück mit seinen Vulkanausbrüchen an leicht kastrierten Wortspielen wird von Intendantin PiaMaria Gehle allerdings zu einem Lebendigkeitsereignis sondergleichen, auch dank des ungeheuer begabten Mateusz Dopieralski (Cléanthe). Aber auch die anderen Absolventen der "Schule" brillieren.

 

 

Rheinkultur (Anke Spiegel), 10/11 2011

 

Ein grandioser wie gewöhnungsbedürftiger Text, der Molières Geiz-Komödie auf die Gegenwart bezieht, eine Parodie auf Geld- und Konsumgier und ein Abgesang des Kapitalismus.

aKT 26 (Dorothea Marcus), Oktober 2011

 

Das Stück beginnt rasant, lässt aber gegen Ende nach, wenn sich die Auslassungen und Erklärungen zum Kapitalismus, ein Lieblingsthema von PeterLicht, häufen. Eine schlüssige Regie aber (Intendantin PiaMaria Gehle) und ein rundum gutes Ensemble (dazu noch Amely Draeger als schräge Onkeltante) halten das Publikum bis zum Schluss bei Laune, bis auf Richard Hucke alles Absolventen der SCHULE DES THEATERS. Ein guter Jahrgang. 

www.koeln-nachrichten.de (ehu), 13.9.2011

 

Die Jungen hängen plan-, perspektiv- und antriebslos im gemachten Nest, lassen sich füttern und schreien nach mehr, mehr, mehr. Der Alte lässt das alles an sich abgleiten und kreist um die Ausweitungen des eigenen Egos. Was er will, ist Marianne, die Angebetete des Juniors. Auch ein Überbleibsel vom Original, nur dass das Mädchen absent bleibt. [...] Richard Hucke (Kölner Theaterpreis 2003 für "Das Fest") als Protagonist und Keller-Schüler Mateusz Dopieralski als sein Sohn gelingt es durch Geschmeidigkeit und Lockerheit am besten, mit dem anspruchsvollen Text zu jonglieren.

Kölner Stadtanzeiger (Jessica Düster), 13.9.2011

 

Es gibt gute Gründe, mit dieser Molière-Adaption die Spielzeit zu eröffnen, nicht nur weil der öffentlichkeitsscheue Autor, Musiker und Feuilletonliebling PeterLicht in Köln lebt. Ein Blick in den Wirtschaftsteil der Zeitungen reicht völlig. Hinzu kommt die Situation des Theaters selbst. Zwar kann das Haus in der Kleingedankstraße dank des Sponsorings von Generali den Spielbetrieb bis Jahresende aufrechterhalten, aber überleben kann das Theater nur, wenn sich die Stadt Köln auch weiterhin engagiert. Was dem Keller im Übrigen von Herzen zu wünschen ist. [...] Inmitten der gelangweilten Jugend, die in der Pubertät gefangen scheint, wirkt Richard Hucke als Papa Harpagon wie ein ruhender Pol. Ein roter Morgenrock gibt ihm etwas Dandyhaftes. Jovial assoziiert er über die Zusammenhänge von Geld, Abfall und dem Glück, das entsteht, wenn es gelingt, überflüssige Zahnpasta zurück in die Tube zu befördern.

Kölner Rundschau (Sandra Nuy), 13.9.2011

 

Der Kölner PeterLicht wirbelt den Bühnenklassiker ordentlich durcheinander – und siehe da: Bei ihm kommt der geizige Vater gar nicht so schlecht weg. Seine Sicht entwickelt er sehr konsequent – und das begeistert Premierenpublikum im Theater der Keller spendete langen begeisterten Premierenbeifall. [...] Der moderne „Geizige“ fängt rasant an, verliert sich aber am Schluss etwas in der Kapitalismuskritik, die dem Kölner Autor PeterLicht, auch bekannt als Liedermacher, von jeher eine Herzensangelegenheit ist. Dem Vergnügen der Zuschauer tut das keinen Abbruch. Zumal die Schauspieler, die außer Richard Hucke in der Titelrolle erst am Anfang ihrer Karriere stehen, nichts missen lassen. Unter der Regie von PiaMaria Gehle laufen auch die Absolventen der SCHULE DES THEATERS zu Höchstform auf: Mateusz Dopieralski als Sohn Cléanthe, Sarah Härtling (Tochter Elise), Bastian Sesjak (Cleanthes Freund La Fleche, genannt Fleschi), Götz Vogel von Vogelstein (Elises Freund Valère) und Amely Draeger als „Onkeltante“.

www.koeln.de (Jürgen Schön), 12.9.2011

 


Das Ganze ist mit Tempo und Rhythmus vorzüglich von der Regisseurin PiaMaria Gehle in Form gebracht. Die Darsteller des Abschlussjahrganges der SCHULE DES THEATERS und Richard Hucke als Papa Harpagon spielen, als sei das Stück eigens für sie geschrieben. Diese derb komische, bisweilen hysterisch anmutende Darstellung gebrochener Existenzen in ihrem Ablenkungsleben ist wunderbare Ablenkung!

Ein Besuch lohnt, auch weil die Erkenntnis bleibt, dass eine Schulter zum Anlehnen, eine Hand, die eine andere hält, und LIppen, die sich küssen, manchmal wichtiger sind als Geld und hohle Worte.

www.meinesuedstadt.de (Roger Lenhard), 12.09.2011