Ein Monolog nach Friedrich Schillers EIN VERBRECHER AUS VERLORENER EHRE | Premiere am 30. März 2012 im HochKeller.
Aus Liebe wird er zum Dieb, aus Hass auf den Nebenbuhler zum Mörder. Friedrich Schillers Erzählung vom gezeichneten Sonnenwirt, den die Umstände an den Rand der Gesellschaft bis hin zum Tode führen, gilt als Meisterwerk objektiver Berichterstattung. Der erste Krimi, der den Menschen als Individuum und Opfer der Gesellschaft betrachtete, besticht auch in der heutigen Zeit durch seine messerscharfe Seelenanalyse. Ist die Frage nach moralischen Werten, die Suche nach der Ursache des Verbrechens heute noch spannend? Oder sind wir wirklich, wie Schiller bereits 1786 kritisierte, nur noch am Unterhaltungswert interessiert?
Das Team um Regisseur Bernd Plöger lässt hier Experten aus unterschiedlichen Bereichen zu Wort kommen. Juristen, Gefängnispfarrer und Wissenschaftler definieren das Wort Schuld, und ordnen die Frage nach dem Gewissen in den heutigen Diskurs ein. Zugleich wird deutlich wie nach Schillers sprachlich brilliant ausgearbeitete Innenschau dem stilisierten Verhaltensmuster eines comichaften Superschurken ähnelt. Mittels dieser Reibung zwischen Klassik und (Post-)Moderne wird ein Abend im Hier und Heute verankert, dessen Fazit die Allgemeingültigkeit des gesellschaftsrelevanten Themas Schuld qua Gesetz ist.
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Regie: Bernd Plöger
Ausstattung: Dietmar Teßmann
Dramaturgie: Felizitas Kleine
Mit: Alexander Wipprecht
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Pressestimmen
Alexander Wipprecht schmiert sich die Pechbrühe in Gesicht und Haare und illustriert malend seine Geschichte an der Wand. Überragend gibt er den "Verbrecher" dem die verlorene Ehre aus Schillers zugrunde liegender Erzählung vollends gestrichen wurde. [...] Intimer Monologtext mischt sich mit offenen Fakten und wird zu einem spannenden Plädoyer für einen empathisch würdevollen Rechtsbegriff.
StadtRevue (Romy Weimann), April 2012
Das Team um Regisseur Bernd Plöger hat Schillers Text erfrischend und interessant dramatisiert. Ins Zentrum stellt er die Frage nach der Ursache von Schuld. [...] Alexander Wipprecht gestaltete den gut einstündigen Monolog des Sonnenwirts überaus packend und vielseitig.
www.mehrtheater.de (Antje van Bürck), 12.04.2012
Alexander Wipprechts einfühlsame Darbietung im 70-minütigen Monolog demonstriert, wie nah kühle Ratio und Unbewusstheit, Entspannung und Trieb, Frieden und Krieg beieinander liegen, als dass diese sich nicht wie gereizte Tiere jederzeit anfallen und gegenseitig zerfleischen könnten.
Kölner Wochenspiegel (ha), 18.04.2012
Durch die lebendige Rede des Delinquenten geht das Stück über theoretische Diskurse hinaus. Schauspieler Alexander Wipprecht schlüpft eindrucksvoll in die Figur (und manche Nebenrollen) und ist am stärksten, wenn er hinter der Fassade des Verrückten das verzweifelte Individuum zeigt. Äußerst effektvoll ist die Bühnengestaltung von Dietmar Teßmann. [...] Nach knapp 70 aufwühlenden Minuten prangt so das Psychogramm eines zum Täter gewordenen an der Wand und wirkt noch lange nach.
Kölner Stadt-Anzeiger (Jessica Düster), 03.04.2012
Im Theater der Keller wird der über 200 Jahre alte Text auf überraschend wohltuende Art „modernisiert“ dramatisiert. Der Premierenbeifall für das gesamte Team fiel verdient sehr lang aus. [...] Für Alexander Wipprecht als Sonnenwirt ist das ein gut einstündiger, mit vollem Engagement vorgetragener Monolog, der die Zuschauer keine Minute loslässt. Er zeigt Verzweiflung, Reue, Hoffnung, Ratlosigkeit, schwankt in seiner Selbstbetrachtung zwischen Selbstbezichtigung und Selbstverteidigung. Er wechselt zwischen lauten und leisen Tönen, legt Pausen ein, um dann um so hektischer fortzufahren. In diesem Wechselbad der Gefühle wirkt Wipprecht zu jedem Moment überzeugend.
www.koeln.de (Jürgen Schön), 01.04.2012