In regelmäßigen Abständen geben wir lokalen Nachwuchskünstlern die Chance unser Foyer für Ausstellungen zu nutzen. Eröffnet wurde diese Reihe mit der Ausstellung "ZwischenDurch" von der Fotografin Jennifer Fey. Zum Beginn der Spielzeit 2011/12 präsentiert uns Catherin Liebeler ihre "Im KELLER zu Hause".

Catherin Liebeler | Im KELLER zu Hause

tl_files/TDK_People/110715_21.jpgDie Kölner Südstadt glänzt im Regen, ich bin auf dem Weg ins Theater. Auf dem Spielplan der Alltag. Der Verkehr und der Regen rauschen noch durch meinen Kopf, als ich ein Efeublatt beiseite schiebe und klingele. Dann fällt die Tür hinter mir zu und mich umgeben Stille und Zeitungsberge. Der Keller ist auf der Titelseite. Die Stille wird jäh unterbrochen von einem schaurigen Jammern, einer Klagelitanei. Plötzlich aufbrandender Applaus reißt mich aus meiner Starre. Ich begreife, dass sich das Drama auf einer der Probebühnen zugetragen haben muss und stapfe weiter zwischen den Stapeln die Treppe hinauf. Hinter der Tür zum Intendantenbüro dröhnt ein Staubsauger. Ich stecke den Kopf durch einen Spalt, jemand hockt auf dem Boden, entstaubt die Daten in einem aufgeschraubten Rechner, im Hintergrund klappert Felizitas Tastatur, das Telefon klingelt. Der Anrufer und ich werden unter wildem
Gestikulieren und mit einem fröhlichen „TheaterDerKellerPiaMariaGehleGutenTag“ begrüßt. Der Sauger verstummt, ich gestikuliere zurück und mache die Tür wieder zu. Die Schneiderei ist verwaist, nur der schwache Kaffeeduft verrät, dass Kora und Ersin nicht weit sein können. Weiter oben ertönt ein Klavier, kratziger Gesang, es klingt nach Grippe. In der Küche hat irgendwer ein paar Würstchen aufgesetzt, in einem Topf der ohne weiteres dreißig Liter Suppe fassen würde. Genug für alle Bewohner dieser kauzigen WG schießt es mir durch den Kopf. Durch das offene Fenster hört man das kreischen einer Säge im Hof, die Techniker verbreitern die Podesterie. Das Haus ist besetzt, jeder Winkel bewohnt, ich schraube meine Kamera zusammen und mache mich auf, die Spuren zu sammeln die die Besatzung hinterlässt.
Als ich Stunden später den Keller verlasse, gebe ich einem Pizzaboten die Klinke in die Hand. Wage frage ich mich, ob die Schachteln, die er da liefert, wohl Eulen und Mehrkatzen enthalten. Till Eulenspiegel war es, der die Bestellung aufgegeben hat.


Catherin Liebeler, geb. 1986 in Köln, Ausbildung zum Fotografengesellen bis 2009 in der Photowerkstatt Esser/Baus, lebt und arbeitet in Köln und Berlin.

ARCHIV

Jennifer Fey | ZwischenDurch

Unsere Reihe KunstKeller wurde eröffnet mit einer Ausstellung der jungen Fotografin Jennifer Fey aus Köln. Unter dem Titel ZwischenDurch schmückten Ihre Bilder eine Spielzeit lang das neu gestaltete Foyer des THEATER DER KELLER.

 

Weitere Informationen über die Künstlerin erhalten Sie auf: www.fey-photography.com