Was Sinnvolles von Iris Matzen (mit Musik!!!)

Sie dachten an eine Bühne.

Macht es süchtig? Sie sagten Ja, Ich sage Nein.
Ist es nachtaktiv? Sie sagten Ja, Ich sage Nein.

Ist es viel Geld wert? Sie sagten Ja, Ich sage Eher nicht.
Kann man Spiele damit spielen? Sie sagten Ja, Ich sage Nein.

Wurde es schon vor über 100 Jahren verwendet? Sie sagten Ja, Ich sage Irrelevant.
Wird es nass? Sie sagten Kommt drauf an, Ich sage Vermutlich.

Ist es schwerer als ein Pfund Butter? Sie sagten Irrelevant, Ich sage Ja.

Verwendet man es während der Arbeit? Sie sagten Ja, Ich sage Eher nicht.

Kennen Sie Lieder darüber? Sie sagten Ja, Ich sage Vermutlich.

Brennt es? Sie sagten Manchmal, Ich sage Selten.
Spendet es Trost? Sie sagten Manchmal, Ich sage Irrelevant.
Hat es eine Wirkung auf Sie? Sie sagten Ja, Ich sage Nein.

 

In Zeiten von deutschlandweitem Theatersterben und massiven Kulturetatkürzungen wird die Aufgabe von Theater nicht nur existenziell in Frage gestellt, sondern auch massiv bedroht. Wie Kunst machen, wenn nur der Kommerz gewünscht wird? Wie wird Kunst messbar und nach welchen Kriterien? Wie förderwürdig bleiben, wenn Hamburger Politiker mit dem kommerziellen Erfolg des „König der Löwen“ argumentieren? Wie die künstlerische Freiheit erhalten, wenn Bonner Bürger online Kulturpolitik bestreiten? Wie eine Daseinsberechtigung behaupten wenn in Halle langjährige Jugendtheatertradition nur noch als Haushaltsbelastung gesehen wird? Wie „existenziell“ muss Theater sein, um zu leben und ab wann bremst das zentrale Thema „Überleben“ jeden Mut, jede Idee ängstlich aus? Diesen und weiteren Fragen möchte sich das Team um Iris Matzen näher widmen. Sie mischt sich dabei in das absurde politische Geschehen Kölns ein und den KELLER so richtig auf. Bühne frei für ein lautes, wildes und extrem souveränes Finale der KellerRevolution!

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Konzept & Regie: Iris Matzen

Musikalische Leitung & E-Piano: Sebastian Kemper

Mit: Frank Maier, Cornelia Schönwald

 

Das Bühnenbild verwendet wesentliche Elemente der Bühne Hannah Albrechts in Tel Aviv (UA).

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©MEYER ORIGINALS

Fotos zu "Stör ich?", ©MEYER ORIGINALS

 Pressestimmen 

Mit einem IAMHERE in leuchtend roten Lettern im Bühnenbild von Horváths "Jugend ohne Gott" hatte PiaMaria Gehle zu Beginn der Spielzeit ihre Intendanz am Theater Der Keller eröffnet. Und wie sie da ist! Hat sie doch mit Wagemut und guten Arbeiten das Haus in der Kleingedankstraße konsolidiert. (...) Iris Matzen, Regisseurin und Autorin, hat einen kurzweiligen und sehr lustigen Abend inszeniert, der Kulturpolitik kabarettistisch aufbereitet und selbstironische Einblicke in das Alltagsgeschäft des Freien Theaters bietet. (...) Und so darf das Pbulikum, dem erzählt wird, es sei auf einer öffentlichen Probe, nicht applaudieren nach den gesungenen Liebeserklärungen an das Theater, die Cornelia Schönwald so falbelhaft intoniert.

choices (Sandra Nuy), Juli 2011

 

In einer herrlich chaotischen Inszenierung von Iris Matzen überzeugten Sebastian Kemper als "nicht hauptberuflicher, und damit solventer Pianist", Frank Maier als enervierter Regisseur sowie die umwerfende Cornelia Schönwald als Chanteuse, die ihre Masken als Entertainerin fallen ließ und den Betracher hinter die Kulissen der Traumfabrik "Theater" führte. Bezeichnenderweise endete die unsentimentale Reise mit Queens "The Show must go on" - einem Song, bei dem nicht nur Rock-Titan Freddy Mercury um sein Leben sang. Es bleibt zu hoffen, dass jenes Aufbäumen gegen den Untergang die Spielstätte in eine vertikale und standfeste Position rückt. Unbedingt anschauen!

Kölner Wochenspiegel (Thomas Dahl), 1.6. 2011

 

Die Uraufführung von "Stör ich?", inszeniert von der Hamburger Regisseurin Iris Matzen, trägt trotz ihrer charmanten Slapstick-Heiterkeit Züge einer Tragikomödie. Auf spielerische und selbstironische Art wird thematisiert, wie schlecht es um die deutsche Theaterlandschaft steht - vor allem wegen massiver Sparmaßnahmen. [...] "Stör ich?" ist ein intelligentes Spiel des Theaters mit eigenen Mitteln, was nicht zuletzt an Cornelia Schönwald liegt, die durch ihre extraordinären Gesangseinlagen den Abend zum Musikerlebnis macht. Frank Maier, der als gestresster Regisseur das Durcheinander zusammenhält, überzeugt als Moderator mit Entertainer-Qualitäten. Die Konzeptlosigkeit, die dem Theater einst fast zum Verhängnis wurde - vor der heutigen Intendantin - wird zum Programm gemacht. In aller Deutlichkeit wird hier vorgeführt, dass unter Auflagendruck Kunst nur schwer entstehen kann. Dafür ist sie gut gelungen.

aKT 24 (Romy Weimann), Juni 2011

 

 

Mit der Uraufführung "Stör ich?" setzt PiaMaria Gehle ein ebenso heiter-trashiges wie selbstreferenzielles Ausrufezeichen ans Ende ihrer ersten Saison als Intendantin. Akute Geldnot, drohende Schließung, seltsame Kriterien der Förderwürdigkeit, künstlerische Kompromisse - all das, womit das Theater in der Kleingedankstraße jüngst selbst zu kämpfen hatte, kommt in der komödiantischen Revue von Iris Matzen aufs Tapet, wenn der gestresste Regisseur Kai-Eric Cartier versucht, aus Nichts Theater zu machen. In dem als chaotische Generalprobe angelegten Stück werden fröhlich Klischees zelebriert, die Absurditäten lokaler Kulturpolitik aufgespießt und Branchen-Gassenhauer wie Katja Ebsteins "Theater" oder Stücke aus "Cabaret" angestimmt.

 

Kölner Stadtanzeiger (Jessica Düster), 25.5.2011

 

Was machen Sie eigentlich tagsüber? Die Frage wird Theaterleuten mit schöner Regelmäßigkeit gestellt. Förderkonzepte lesen und nach neuen Formen suchen - soviel ist mal klar nach einer kurzweiligen Inszenierung von Iris Matzen. Kabarettistisch nimmt sie im Theater der Keller die Kollateralschäden gegenwärtiger Kulturpolitik aufs Korn. [...] Cornelia Schönwald besingt es (das Theater) kraftvoll verführerisch mit den gängigen Hymnen - von "There`s no Business like Schowbusiness" bis zu Katja Ebsteins "Theater, Theater". Nur die kölschen Töne, die muss sie noch proben. Statt ihrer singt Frank Maier die sentimentale Bläck Fööss-Ballade "En unserem Veedel" mit einer solchen Inbrunst, dass die Ironie von den Wänden tropft. Schon allein wegen dieser Nummer lohnt der Besuch einer Vorstellung. Chapeau!
Zum Abschluss einer Spielzeit, in der sich die neue Intendantin PiaMaria Gehle mit gutem Theater das wirtschaftliche Weiterleben erkämpft hat, steht es dem Theater der Keller gut an, kulturpolitische Absonderlichkeiten in einer Satire aufzubereiten. Iris Matzen hat einen lässigen Abend inszeniert, der temporeich mit Witz und Slapstick den Alltag im Freien Theater karikiert.

Kölnische Rundschau (Sandra Nuy), 24.5.2011

 

Dem Theater der Keller geht‘s schlecht. Finanziell. Darüber kann man sich bei der Politik beklagen. Tut man, ist Pflicht. Kür ist, darüber ein Theaterstück zu schreiben. Auch das tat man. „Stör ich?“ hatte jetzt Premiere: Eine feingesponnene, unterhaltsame Farce, die das Publikum zu langem Beifall hinriss. Der herumgereichte Klingelbeutel blieb allerdings ungefüllt. [...] Dem Theater der Keller geht es schlecht. Finanziell. Am Programm kann es nicht liegen. Wer solche Selbstironie auf die Bühne bringt, wer solche Schauspieler und solche – echten – Regisseure hat (in diesem Fall Regisseurin: Sie heißt Iris Matzen und hatte auch die Idee) verdient jede finanzielle Unterstützung.

www.koeln-nachrichten.de, 24.5.2011

 

Da steht eine Sängerin auf der Bühne, singt hervorragend – und das Publikum darf nicht applaudieren. Fast ausnahmslos hält es sich brav an das Verbot, um sich dann beim abschließenden Premierenbeifall minutenlang freizuklatschen. „Stör ich?“ hatte im Theater der Keller seine Uraufführung – eine höchst vergnügliche und intelligente Komödie über die Schwierigkeiten, in Zeiten von knappen Kassen und Unterhaltungskonkurrenz Theater zu machen. [...] Immer wieder kommt es zwischen beiden zu unterbrechenden Dialogen. Sie diskutieren etwa über Förderrichtlinien, wonach es das meiste Geld gibt, wenn man irgendwas mit Migranten macht: Integrieren durch Inszenieren. Pech, dass der Pianist (virtuos Sebastian Kemper am E- Piano) selbst mit angeklebtem Schnäuzer nicht als Ali durchgeht. Oder sollte man, um an Fördergelder zu kommen, auf Multimedia mit vielen Monitoren auf der Bühne setzen? Oder sich mit dem kölschen Evergreen „In unser‘m Veedel“, in Rockpose geknödelt, beim Publikum anbiedern? [...] Im Bühnenbild werden regelmäßige Keller-Besucher Teile aus anderen Inszenierungen erkennen. Es muss ja gespart werden. Genau wie bei den Kostümen. Solche Anspielungen auf die Situation des Theaters der Keller und auf die gesamte deutsche Theaterszene sind kein Zufall. Schließlich hat sich Hausregisseurin Iris Matzen „Stör ich?“ ausgedacht. Sie führt hier auch Regie, konsequent, einfallsreich und auch vor wilden Verfolgungen mit Tür-auf-Tür-zu nicht zurückschreckend.

 

www.koeln.de (Jürgen Schön), 23.5.2011

 

Cornelia Schönwald überzeugt als Hauptdarstellerin durch ihre Gesangsstimme. Gekonnt intoniert sie eine Reihe von Klassikern, die einen engen Bezug zum Thema Theater haben. Sie stellt die mehr und mehr genervte Akteurin auf der Bühne dar, die sich weigert „In unserem Veedel“ auf Kölsch zu singen. Der Regisseur (Frank Maier) springt kurzerhand für sie ein und bringt die Peinlichkeit seiner Figur ganz im Sinne Strombergs zum Ausdruck. Immer wieder sucht er den Kontakt und die Bestätigung durch das Publikum. Seine Mimik nötigt die Zuschauer immer wieder zu einer Mischung aus Fremdschämen und Lachen.

Eine Komödie über den Niedergang der Theaterszene in Köln, über Kulturpolitik in Deutschland - und ein Muss für alle, die sich für die Kultur interessieren und vehement einsetzen und für die, die  für eine lebendige Kultur in der Südstadt streiten. "Stör ich?" ist die letzte Premiere der Spielzeit 2010/11, die im Theater der Keller auf die Bühne kommt. Doch die neue Spielzeit ist schon geplant, wir dürfen gespannt sein, was uns ab dem Herbst geboten wird.

www.meinesuedstadt.de (Stephan Martin Meyer), 23.05.2011