Europium

„EUROPIUM – 8 Poems for Unna“ – Uraufführung, soziale Plastik, Gesamtkunstwerk

Das Zauberwort „Europium“ verheißt eine geheimnisvolle, seltene Erde. Auf ihre Spur begibt sich das paneuropäische Ensemble vom TKO-Theater am 28. und 29. September. Die Uraufführung „EUROPIUM – 8 Poems for Unna“ findet als Gastspiel in den Räumen und auf dem Außengelände des „Theater der Keller“ in Köln am 28. und 29. September statt . Gleichzeitig sind die Auffüh-rungen Teil der „Interkulturelle Woche“ und des „Europäischer Tag der Sprachen“.

8 Künstlerinnen aus Amsterdam, Athen, Berlin, London, Madrid, Reykjavik und Zürich starteten einst unter der Regie von Nada Kokotović ihre Karrieren. Nach 25 Jahren treffen sie sich wieder. Was haben sie sich und uns heute im herausgeforderten Europa zu sagen? Was setzen sie fake news, hate speech und cancel culture entgegen? Mit ihren Biografien modellieren und meißeln die Expert-:innen ihres eignen Lebens an einer Europäer:innenskulptur. Zeus, in der Gestalt eines Stiers, der schon in der griechischen Mythologie Europa verführte, verbindet ihre Lebenslinien. Er wird von Nedjo Osman aus der Volksgruppe der Roma gespielt, einem Volk ohne Land, das überall in Europa zuhause ist – also ein wahrer Europäer. Welche Perspektive vertritt er? Zutiefst persönliche Einblicke in ihre Leben setzt die Regisseurin Nada Kokotović zu einem starken, vielstimmigen interkulturellen Plädoyer für die Kunst, für Toleranz und Demokratie zusammen. Selbst im multilingualen Jugoslawien aufgewachsen, fängt sie den Klang der vielen Sprachen ein, mixt individuelle Introspektion, politischen Kontext und aktuelle Kunst und setzt experimentelle Impulse für Vielfalt und Empowerment.

 „Es ist wunderbar, die jungen Menschen von damals heute als herangereifte Persönlichkeiten mit einem eigenen Willen zur Kunst zu erleben.“, sagt Kokotović. Sie hat diese Darstellerinnen vor mehr als 25 Jahren mit der Inszenierung der „Hamletmaschine“ von Heiner Müller bei ihren ersten Schritten auf die Bühne begleitet. Trafen sich 1994 Diplomand:innen vieler europäischer Akademien auf der „Theatrale Unna“ in der europäischen Provinz. Kehren sie nun aus den europäischen Metropolen zurück und berichten, wie es ihnen ergangen ist, was Europa ihnen bedeutet.

 

Ab 2022 gibt es auch eine analog-hybride, künstlerisch eigenständige Fassung, die mit nur 2 Perso-nen performt wird und für Gastspiele in den Herkunftsländern der Darsteller:innen gedacht ist. Sie entsteht in Kooperation mit dem renommierten niederländischen Medienkunst-Kollektiv "Polymorf" aus Breda. Gründer, Marcel van Brakel, war 1994 ebenfalls Teilnehmer der „Theatrale Unna“. So schließt sich ein Kreis experimenteller europäischer Kunstproduktion.

 

Regie:  Nada Kokotović

Es spielen:  Sigrun Sol Olafsdóttir, Halla Margrét Jóhannesdóttir, Jeannette Eggert alias Yoki van de Cream, Mary Davies, Chryssoula Nissianaki, Maria Gray, Katharina Conradi, Gudula Mueller-Töwe; Nedjo Osman

Dramaturgie: Christel Jorges

Digitalisierung: Marcel van Brakel

Produktion: Gudula Mueller-Töwe

Ö-Arbeit: Iris Pinkepank

Gefördert von: Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, NRW Landesbüro Freie Darstellende Künste, RheinEnergieStiftung Kultur, Kreisstadt Unna/Bereich Kultur, Integrationsrat der Kreisstadt Unna, Kulturamt der Stadt Köln, Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Mit freundlicher Unterstützung von der „Interkultureller Woche“ und des „Europäischer Tag der Sprachen“.

 

Vorstellungen:
28./ 29. September



Literaturnacht

Lesung mit Marco Hasenkopf, präsentiert vom Emons Verlag

Eine Serie von Brandanschlägen hält die Domstadt in Atem. Judith Mertin und Markus Kaiser vom KK 11 stoßen an den Tatorten auf das seltene Metall Tantal, das in pulverisierter Form hochexplosiv und wichtigster Bestandteil der Telekommunikations- und Medizintechnik ist. Auf dem Weltmarkt ist der verrufene Stoff Milliarden wert und Industriekonzerne gehen für ihn über Leichen. Die blutige Spur des kostbaren Guts führt Judith Mertin in die Kölner Innenstadt und bis in ihr Heimatland Kongo …

Lernen Sie den Autor Marco Hasenkopf mit seinem politisch engagierten Krimi „Köln 300° C“ kennen, der mit Klischees spielt und seinen Protagonisten Ecken und Kanten erlaubt.

Beginn: 16:30 Uhr
 

Eine Erzählung von Gunther Geltinger, Inszenierung von Hermann Mueller, präsentiert vom Theater der Keller

Gunther Geltinger, Träger des Rolf-Dieter-Brinkmann-Stipendiums der Stadt Köln, ging einen langen Weg, bis er an den Rhein kam. In Köln entstand sein Debütroman „Mensch Engel“ (2008), einer der radikalsten Bekenntnisromane der letzten Jahre. Für die Anthologie „Eigentlich Heimat – Nordrhein-Westfalen literarisch“ schrieb er die Erzählung „Brücke für R.“, in der sich ein Mensch von der Mülheimer Brücke in den Tod stürzt. Die szenische Lesung spürt der Frage des Textes nach, wie man das Verschwinden eines Menschen in Worte und Bilder bannt: Ortsbegehung, Erinnerung und Imagination. Es lesen Melanie Kretschmann und Uta Gärtel.

Szenerie: Hermann Mueller

Anschließend: Gespräch mit dem Autor Gunther Geltinger und Hermann Mueller

Gunther Geltinger lebt und arbeitet in Köln. Die Stadt taucht immer wieder in seinen Romanen auf, und in seiner Erzählung „Brücke für R.“ wird ein Ort zum Denkmal. Oft sind es die unspektakulären Orte, die sich in eine Biographie einschreiben.
Wann wird eine Landschaft zum Schauplatz, und wie erzählt man Köln? Ein Gespräch über Orte und Unorte in der Literatur.

Beginn 18:00 Uhr

Hörspiele und szenische Lesungen mit dem mind.break.cologne-Kollektiv

Ganz nah am erhöhten Pulsschlag unserer Zeit erzählen die Hörspiele des Kollektivs diesmal von zweifelhaften literarischen Hochgenüssen, von Jugendrevolten, die vom Netz auf die Straßen schwappen, von der Geschichte einer Kölner Betonstadt sowie einem nächtlichen Roadtrip durch Köln. Im Zusammenspiel von Text, Sound und Bildern entstehen Schicht um Schicht komplexe audiovisuelle Gebilde, in denen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ebenso wie Fakt und Fiktion nahtlos ineinanderfließen. Zu Beginn des Programms wird das Hyperfiction-Projekt Interzone Cologne in einer audiovisuellen Lesung präsentiert. Get remixed!

Beteiligte: Sascha Klein, Bernadette Casu, Christian Beilke

mind.break.cologne ist ein junges Kölner Kunstkollektiv, das seit 2013 Projekte in den Bereichen Theater, Performance, Video, Literatur und Hörspiel realisiert.

Beginn 20:00 Uhr und 22:00 Uhr.

Vorstellungen:
18. September